© Sepp Köppel (CH)
Nichts ist beständiger als der Wandel. So betrachtet ist Vergänglichkeit allgegenwärtig, besteht also nicht nur aus den in Fotografenkreisen hochgeschätzten „Lost Places“, sondern umgibt uns von früh bis spät. Wenn wir uns dessen bewusst sind, dann nehmen wir deutlicher wahr, was sich in unserer Umgebung ständig verändert. Die Tulpen, die Sepp Köppel (CH) für dieses 13. Community-Portfolio fotografierte, sind in ihrer zerfallenden Schönheit ein gelungener Einstieg in das Thema

Was wir hier sehen, ist häufig bereits vershwunden

Der Hype um „Lost Places“ ist etwas abgeklungen. Zu sehr hat die Inva­sion der nach Bildmotiven Suchenden dazu geführt, dass die Verlorenheit dieser Orte oder Gebäude immer stärker von Zerstörung überlagert wurde. In der Folge überlagerte nicht der Zahn der Zeit, sondern die unüberlegte Vernichtung der Einrichtungen die Bilder. Erfreulicherweise haben viele auch erkannt, dass der Reiz des Vergänglichen nicht generell an Örtlichkeiten zu entdecken ist, die auf Websites von Spezialisten detailgenau beschrieben werden, sondern sich auch direkt vor der eigenen Haustür in Garten und Natur finden lässt. Demzufolge zeigen wir in diesem 13. Community-Portfolio auch einige Bilder, die exakt an solchen Hotspots entstanden sind. Beispielsweise das Cabrio, das Andreas Engelmann (D) bereits vor einigen Jahren fotografierte. Angeblich ist von dem Fahrzeug zwischenzeitlich vieles verschwunden. Ähnlich kann es bei dem Peugeot D3 sein, den Frank Scheil (D) im Burgund fotografierte. Hamed El Diwany (D) und Hans Joachim Klotz (D) besuchten ebenfalls verlassene Häuser, um von dort besondere Bilder mitzubringen.Weniger konzentriert bekommt man die Vergänglichkeit in der Natur serviert. Da muss man, wie es Helga Lehner (D) mit ihrer Aufnahme gelang, den Wald mit seinen wundervollen Bäumen erst einmal erwandern und außerdem sehen.

Auch Dirk Sperner (D) zeigt uns mit einer beeindruckenden Aufnahme die Schönheit von Altholz und vitalen Stämmen in einem Bild.

Dass speziell Blüten als Symbol für Vergänglichkeit sehr attraktiv sind, unterstreichen die Fotos von Paul Jancso (D) und Reinhold Seher (CH). In beiden Fällen ist es entscheidend, die Aufnahme zu machen, bevor Wind und Regen den Zerfall so beschleunigen, dass nur noch unattraktive Reste zurückbleiben.

Der Wiener Zentralfriedhof als geschichtsträchtiger Ort beschäftigte Harald Stampfer (AT). Er nutzte die Melancholie des Lichtes, um uns seine Wahrnehmungen von diesem besonderen Friedhof näherzubringen. Anlass zur Nachdenklichkeit gibt auch das Foto von Peter Marxer (Lie). So wirft das am Boden liegende Kruzifix die Frage auf, ob das Christentum am Boden liegt?

Skurril auch die Entdeckung von Walter Weger (AT), der uns mit dem Kaufhaus Louvre ein verschlossenes (längst geschlossenes) Fotofachgeschäft zeigt, dessen Werbung aufgrund der Typografie von Agfa gesponsert wurde. Dass derartige Geschäfte heute weitgehend aus dem Straßenbild verschwunden sind, ist einerseits dem Siegeszug der Digitalfotografie geschuldet, andererseits hat der E-Commerce auch in der Handelsstruktur seine gravierenden Spuren hinterlassen.

Spuren auf den Fassaden bannen Axel Krefting (AT) immer wieder, besonders wenn sich die Farbkompositionen dann noch als harmonisch erweisen wie auf dem Foto von Seite 78.

Fasziniert vom Farbkontrast zeigt sich Karl Erich Heilig (D), der die vor sich hin rostenden Blechschränke, in denen einstmals Feuerlöscher bereitstanden, in einem ehemaligen Munitionsdepot fotografierte. Wie rasch in der Natur Essbares verwertet wird, be­obachtete Wolfgang Böttcher (CH) im Urlaub, als sich auf der Terrasse einige Dutzend Ameisen mit dem Abtransport eines toten Käfers beschäftigten.
Der Tod als letzte Reise wird im Bild von Brigitte Nickel-Zeiger (D) thematisiert. In der hinduistischen Stadt Varanasi richtete sie die Kamera auf einen Verbrennungsplatz am Ganges. Dorthin kommen die Familien mit ihren Toten, um nach der Verbrennung im offenen Feuer die Überreste wieder mitzunehmen. Wilfried Dunckel (D) sandte uns das Foto einer Eisbergskulptur, die vermutlich zwischenzeitlich längst komplett abgeschmolzen ist. Ein weiteres Symbolbild zu Vergänglichkeit reichte Frank Walter Schilling (D) ein, der das Spiegelbild eines Menschen auf dem Wasser in kühler Schönheit festhielt. Mit einem Augenzwinkern fotografierte Wilfried Forschner (D) das Display mit der fragwürdigen Aussage: „Eine Anzeige ist derzeit nicht möglich.