Stürzende Linien?  So geht es ohne Shift-Objektiv

Stürzende Linien? Ich sollte ein Shift-Objektiv nutzen. Grundsätzlich ist ein solches Spezialobjektiv mit Verstellmöglichkeiten und vergrößertem Bildkreis sinnvoll. Allerdings gibst du schnell zwischen 1000 und 2500 € je nach Qualität aus. Dabei ist es auch ohne Shift-Objektiv möglich, Architektur sauber mit senkrechten Linien abzubilden. Der Geheimtipp: Neigen und anschließendes softwarebasiertes Entzerren. Roberto Casavecchia erklärt die Schritte zum perfekten Architekturfoto ohne Shiftobjektiv in einem 3-teiligen Kurs. Das Aha-Erlebnis ist vorprogrammiert. Den Kurs gibt es bei photocampus.eu

Wozu benötigen Shift-Objektive einen größeren Bildkreis? Nur dank einer solchen, im Objektivbau nur mit viel Aufwand machbaren Eigenschaft, kann ein Teil der optischen Konstruktion verschwenkt werden und der Bildwinkel erweitert werden. Bei senkrecht ausgerichteter Kamera ermöglicht es dieses Verschwenken, auch hohe Gebäude ohne stürzende Linien abzubilden. Um es verständlicher zu machen: Durch die senkrecht ausgerichtete Kamera und die Verschwenkung, wird der Sensor in den Bereich gebracht, in den das verschwenkte Objektiv das Bild des Gebäudes projiziert.

T/S-Objektive bieten größeren Bildkreis und komplexe Mechanik

Shiftobjektive sind also optische und mechanische Meisterwerke. Neben dem mechanischen Aufwand für die beweglichen Teile des Objektivs sind auch die optischen Komponenten meist sehr teuer, da nur Kleinserien vermarktet werden können. Hersteller wie Canon bieten derartige Optiken als Tilt-Shift-Objektive beispielsweise mit den Brennweiten 17 und 24 mm für Architekturfotografen an. Die Objektive von Canon mit 50 und 90 mm sind stärker auf den Einsatz in der Makrofotografie optimiert. Nikon hat keine eigenen neue Shift-Objektive am Start. Anwender greifen deshalb unter anderem auf Modelle von TTArtisan und Loawa zurück. Optiken dieser beiden chinesischen Hersteller werden auch für andere Kameraanschlüsse geliefert: Beispielsweise Sony Vollformat, Nikon-Z, Pentax K, MFT, sowie L-Mount, ebenso für Hasselblad XD und für Fuji GFX. Wobei Fuji für die GFX gleich zwei Shift-Optiken anbietet: Das GF 30 mm f5,6 T/S und das auf den Nahbereich optimierte GF 110mm F5,6 T/S Macro, das mit 3690 € an der oberen Preisgrenze liegt.

Wie vermeide ich ohne Shift-Objektiv stürzende Linien?

Gehörst du also zu den Kamerabesitzern, die bisher nicht in ein Shift investiert haben? Für dich könnte es sich lohnen, sich mit der „Neigen-statt-shiften“-Methode zu beschäftigen. Wie generell in der Städte- und Architekturfotografie, geht es bei „Neigen statt shiften“ darum, Architekturaufnahmen und Stadtansichten zu erzielen, die keine stürzenden Linien aufweisen. Grundsätzlich erfordert diese eine Kameraausrichtung im 90-Grad-Winkel zu den aufzunehmenden Fassaden. Sinnvoll kann es also sein, die in vielen Kameras gebotenen Wasserwaage-Einstellungen zu aktivieren und die Kamera senkrecht auszurichten. Doch dann haben wir den bekannten Effekt. Entweder sind wir zu nah am Objekt und das Gebäude ist oben abgeschnitten oder wir haben das Gebäude senkrecht im Sucher, doch mit so viel Vordergrund, dass wir jede Menge Auflösung verschenken. Könnte man mit diesem Kompromiss noch leben, so setzen oftmals die räumlichen Verhältnisse die Grenzen und wir können nicht weiter zurück.

Du lernst, mit dem Standardzoom Architektur zu fotografieren

Was also wäre, wenn wir mit einem Standardzoom von 28 bis 70 mm in der Weitwinkel-Stellung arbeiten könnten? Erstens haben wir in vielen Fällen bei diesen Objektiven auch bei Offenblende bereits eine sehr gute Abbildungsqualität und zweitens kennen wir uns mit der Optik bestens aus. Und damit kann ich gute Architekturaufnahmen machen? Ja, wenn du weißt, was du bei der Aufnahme an Parametern beachtest und wenn du bei der Bildbearbeitung die Schritte abarbeitest, die die bei der Aufnahme eingestellte Kameraneigung wieder ausgleicht.

Neigen statt Shiften: Mit Planung an die Aufnahme

Sinnvoll für die Bildbearbeitung ist nach der RAW-Konvertierung der Import in Photoshop und dort die weitere Bearbeitung im Menü Transformieren/Entzerren. Haben wir beispielsweise bei der Aufnahme die Kamera mit 8 Grad geneigt, so müssen wir exakt diese 8 Grad auch im Entzerren-Menü wieder anwenden.

Neigen statt shiften ersetzt nicht nur das Shift-Objektiv komplett, sondern hat in den meisten Anwendungsfällen auch den Vorteil, dass die Verzeichnung im geschifteten Bereich nicht anders ist als im Zentrum des Bildes ist. Wenn du dich also für neigen statt shiften entscheidest, kann hast du neben der Ersparnis für ein teures Objektiv auch den Gewichtsvorteil. Alles, was du vor Ort benötigst, ist deine Kamera mit Standardzoom und ein Stativ, an dem du den Neigungswinkel einstellen kannst, denn sinnvollerweise solltest du dich auf Neigungen bis 8 Grad beschränken.

CpaturOne und Photoshop für beste Bildqualität

Der Kurs von FineArtPrinter/Photocampus.eu-Autor Roberto Casabecchia zeigt die Realisierung im RAW-Konverter Capture One für Entwicklung und in Photoshop für die anschließende Ausrichtung der Aufnahme durch Entzerren. Wir können jetzt schon versprechen, dass du von den aufgezeigten Möglichkeiten begeistert sein wirst. Buche den Kurs in unserem Webshop, dann senden wir den Zugang zur Photocampus-Mediathek zu. Hier geht es zur Buchung des Kures.