Wie Passepartout und Rahmen das Bild aufwerten
Ohne Passepartout und passenden Rahmen ist ein guter FineArtPrint für die Portfoliobox ideal. In nachfolgenden Beitrag erfährst du, wann für die Präsentation ein Passepartout sinnvoll ist. Damit ein neues Kunstwerk entsteht, müssen allerdings Farbe und Proportion des Passepartouts zum Rahmen passen.
Auch wenn die Dienstleistung eines Rahmenfachgeschäfts teuer erkauft werden musste: Die nach gemeinsamer Beratung dort ausgewählte Rahmenleiste sowie das Passepartout passten perfekt, nicht nur in der Farbe, sondern auch in den Proportionen von Leiste, Passepartout und Ausschnitt im Passepartout. Bei der heute üblichen Bestellung übers Netz wird man leider schnell unsicher: Wie wirkt das Rahmenprofil, wie die Rahmenfarbe, wie viel Breite darf das Passepartout haben, benötige ich Weißraum um den Print? Benötigt das Motiv überhaupt ein Passepartout? Die daraus entstehenden Unsicherheiten führen häufig zu Kompromisskäufen. Kaufst etwa billige Wechselrahmen aus dem Baumarkt, sparst du möglicherweise nur wenige Cents an der Präsentation deines Lieblingsfotos, doch deine Erwartungen an die Wirkung in der Wohnung erfüllen sich nicht. Meine Erfahrung: Es gibt wenig Gründe, außer wirklich Ebbe in der Kasse, an der Präsentation zu sparen. Ein gelungener Druck wird durch fachgerechte Montage im Passepartout zu einem, beeindruckendes Kunstwerk.

Ein Passepartout ist nichts anderes als ein Museumskarton mit einem präzisen Ausschnitt, in dem ein Foto, eine Grafik, oder eine Malerei montiert werden kann. Durch die zentrale Präsentation des Bildes innerhalb des ausgeschnittenen Kartons wird der Blick des Betrachters zum Bild gelenkt. Einerseits durch die Fläche des Passepartouts und andererseits durch den Schrägschnitt des Passepartoutkartons, durch die Farbe desselben und durch mögliche Verzierungen wie feine Linien parallel um das Bild. Im Unterschied zur Präsentation im Passepartout kannst Du selbstverständlich ein hochwertiges Foto auch auf Leinwand drucken lassen im aufgespannt auf Keilrahmen präsentieren. Ein Schattenfugenrahmen, der den Keilrahmen aufnimmt, würde in diesem Fall die Präsentation noch hochwertiger erscheinen lassen.
Passepartouts lenken das Auge und schützen das Bild
Der Begriff Passepartout stammt aus dem Französischen und bedeutet etwa „alles passend“ oder „für alles geeignet“. Neben der geschilderten optischen Aufwertung von Bildern oder Grafiken haben Passepartouts auch eine wichtige Schutzfunktion. Dazu allerdings darf kein herkömmlicher Karton verarbeitet werden. Für archivgerechte Einrahmungen kommen ausschließlich museumsechte Passepartoutkartons infrage. Diese werden von Herstellern wie Crescent, Karthäuser-Breuer oder Hahnemühle in den verschiedensten Farbtönen und unterschiedlichem Weißgrad sowie in unterschiedlichen Formaten und Dicken und Oberflächen gefertigt. Wir können uns für Passepartouts mit fein strukturierter Oberfläche entscheiden oder wir wählen einen glatten Passepartoutkarton. Wer einen rahmenlosen Bildträger kauft, braucht diese Entscheidungen für seine Präsentation nicht zu treffen, wird allerdings mit der Wirkung seines rahmenlosen Bildträgers auch wenig Freude haben.
Gibt es Universalrezepte für die Wahl der Passepartoutfarbe?
Für die Präsentation von Farbbildern sind schwarze Passepartouts in vielen Fällen optimal. Achte bitte darauf, dass es durchgefärbte schwarze Kartons und solche mit einem weißen Kern gibt. Speziell schwarze Kartons mit weißem Kern ergeben durch die weiße Linie, die durch den Schrägschnitt sichtbar wird, interessante Linieneffekte. Für die Präsentation von Schwarzweißfotos oder Grafiken auf warmweißem Papier empfehlen wir Passepartouts in verschiedenen Weißabstufungen. Die Beschreibungen, die dabei in den Shops auftauchen, lauten „Naturweiß“ oder „Warmweiß“ oder „Hellweiß“. Ideal ist es, wenn die Papierfarbe des Druckes auch dem Weißgrad des Passepartout-Kartons entspricht. Letztlich ist dein Stil und deine Vorstellung entscheidend, für welches Passepartout du dich für dein Bild und deinen Rahmen entscheidest, den Prozeß der Abstimmung der verschiedenen Komponenten ist aufwendig und deshalb mein Rat: Lass dir Zeit dafür und setze dich nicht unter Zeitdruck
Die Kunst, Bilder zu rahmen, erfordert einerseits ein geschultes Auge, um zu erkennen, welche Passepartoutfarbe zu Bild und Rahmen passt, und andererseits geht es auch um die Dimensionen des Passepartouts. Als Faustregel gilt: Gleiche Abstände von allen vier Rahmenseiten sind zwar korrekt, die optische Mitte wird jedoch erst dann erreicht, wenn du beispielsweise bei einem Hochformat den Abstand unten einige Millimeter größer bemisst als oben und seitlich. Passepartouts selber schneiden erfordert Präzisionswerkzeug und Übung Bei photocampus.eu haben wir mit der Ultimat Futura, einem hochwertigen Passepartoutschneider für etwa 2400 € Erfahrungen gesammelt. Einfacher und günstiger ist es, wenn man seine Passepartout-Ideen von Spezialisten wie der Passepartout-Werkstatt umsetzen lässt. Ich gebe zu, dass ich mein Geld lieber bei einem mittelständischen Unternehmen wie der Passepartoutwerkstatt ausgebe, als internationale Konzerne wie Amazon mit meinem Geld zu verwöhnen. Ein solcher Fachbetrieb wie die Passepartoutwerkstatt verfügt über computergesteuerte Schneidemaschinen, die Passepartouts von 0,8 mm Stärke ebenso präzise im Schrägschnitt schneiden wie dicke Kartons bis 4,1 mm Stärke. Dort werden auch Spezialaufwertungen gefertigt. Beispielsweise Mehrfachausschnitte oder ovale Ausschnitte oder es wird eine Konturlinie, genannt Groove, um den Ausschnitt gefräst. Eine sehr elegante Signatur ist ein eigener Prägestempel mit Namen und Logo für das Passepartout, der beispielsweise von der Passepartoutwerkstatt einmal gefertigt und dann bei Bestellung gegen kleine Gebühr in den Karton eingeprägt wird.
Wozu sind Klapp-Passepartouts, wozu Flachbeutel sinnvoll?
Wenn du ein Passepartout in Auftrag geben möchtest, dann siehst du dich auch mit Begriffen wie Klapp-Passepartout konfrontiert. Ein solches ist dann ideal, wenn du deine Bilder ohne Rahmen in sogenannten Flachbeuteln präsentierst. Diese bestehen aus transparentem Polypropylen und sind bis zum Format von 60 x 80 cm im Angebot. Wer sein Bild n ein Klapp-Passepartout einmontiert und in einen Flachbeutel verpackt, hat die Sicherheit, dass das Exponat geschützt ist und potenzielle Kunden es trotzdem in die Hand nehmen können.
Genug der Theorie: Drei verschiedene Motive habe ich für Sie ausgewählt und gerahmt und zu jedem gibt es eine lehrreiche Geschichte. Die verbindenden Elemente sind die Rahmen von Halbe, auf die ich deshalb schwöre, weil sie vielseitig verwendbar und in ihrer Haltbarkeit und Qualität konkurrenzlos sind. Die Glashersteller werden es nicht gerne hören, doch aus allen drei Bilderrahmen habe ich bewusst das Glas entfernt. Ich stehe auf dem Standpunkt, meine persönlichen Bilder dürfen durchaus dem Risiko ausgesetzt sein, dass mich irgendwann die Hinterlassenschaften einer Fliege darauf aufmerksam machen, dass das Bild ausgetauscht werden sollte. Wenn Sie allerdings für das Wartezimmer Ihres Hausarztes ein halbes Dutzend Drucke inklusive Rahmung liefern dürfen, dann ist die Verwendung des Bilderglases sehr wohl sinnvoll, doch in privater Umgebung lässt sich m Einzelfall auch auf Glas verzichten. Ohne das durchaus schützende Bilderglas wirken Drucke wesentlich plastischer und körperlicher, da keine, möglicherweise sogar spiegelnde Scheibe den Blick auf das Motiv filtert. Spezialgläser, die frei von Spiegelungen sind, kosten leider entsprechend viel.
Schwebende Montage im Distanzrahmen von Halbe
Das kleinste der drei Motive, das Porträt eines Heidschnuckenschafes, druckte ich auf einem selbst beschichteten Papier (Beitrag über Ilford Creative Emulsion, FineArtPrinter 02/17). Die Details zur Beschichtung kurz zusammengefasst: Die Creative Emulsion besteht aus zwei verschiedenen Flüssigkeiten, die man je nach gewünschter Beschichtungsqualität mischt. Mit einem speziellen Rakel oder einem Schaumstoffpinsel trägt man die Emulsion möglichst gleichmäßig auf. Föhnt man das Papier danach schnell wieder trocken, wölbt oder deformiert sich das nasse Papier kaum. Denn schwieriger als das Papier zu beschichten, ist es, dieses wieder glatt zu bekommen. Bei dem verwendeten Papier handelt es sich um ein handgeschöpftes Büttenpapier (Moulin Delaroque/400 g/m2), das ich bei Boesner kaufte. Selbstverständlich lassen sich Büttenpapiere generell auch unbeschichtet bedrucken, allerdings verschwindet die Pigmenttinte im Papierfilz, somit wirken die Farben flau und wenig attraktiv. Auf alle Fälle zog mich die Struktur und natürliche Schöpfkante des Papiers in den Bann und ich suchte nach Möglichkeiten, diese in einem Rahmen dekorativ zu zeigen. Der verwendete Distanzrahmen von Halbe ist nicht schwarz, sondern dunkelbraun. Da diese Holzfarbe sehr gut mit dem gelblichen Papier und den Farben des Prints harmoniert, war die Entscheidung für diese Kombination schnell gefallen. Montiert wurde das Papier auf einer 10 mm starken Hartschaumplatte (Kapa), die etwas kleiner ist als das Papier und mittig im Bilderrahmen platziert wurde. Dazu zieht man die Selbstklebefolie der Hartschaumplatte ab und klebt sie im ersten Schritt in den Bilderrahmen. Im zweiten Schritt wird dann der Druck an der oberen Kante mit rückseitigem Doppelklebeband mittig im Bilderrahmen platziert. Hier empfiehlt es sich, sehr genau zu arbeiten, denn jede erneute Ablösung beschädigt möglicherweise den Print. Im dritten Schritt müssen wir auch das Papier auf der unteren Seite mit Doppelklebeband fixieren. Eine vollflächige Verklebung auf der Hartschaumplatte wäre eine weitere Möglichkeit. Durch die frei überstehenden, weichen Kanten des Papiers wirken diese vor dem schwarzen Untergrund sehr plastisch und beinahe jeder Betrachter möchte etwas über das Bild erfahren.
Erst mit kleinen Formaten Erfahrungen sammeln
Bei dem großen Bild des Schafs im Schnee wurde ebenfalls ein 10-mm-Distanzrahmen von Halbe im Format 42 x 59,4 cm, Profil Alu 8, mattschwarz lackiert, verwendet. Als Druckmedium habe ich hier Hahnemühle Photo Rag Ultrasmooth verwendet, weil seine kalandrierte (gewissermaßen glatt gebügelte) Oberfläche für maximale Detailschärfe sorgt. Das A2-Blatt wurde minimal beschnitten, um den Druck – ebenfalls auf einer Hartschaumplatte mit 10 mm Stärke – so montieren zu können, dass die Schattenfuge den Kontrast zwischen Motiv und Umfeld verstärkt. Über die Distanzen zwischen Rahmen und Bild lässt sich diskutieren, eine Faustregel gibt es hier nicht. Wichtig ist die Dimension des Unterbaus. Wird die Fläche der als Distanzhalter dienenden Hartschaumplatte zu klein gewählt, dann steht das Papier zu stark über und die Gefahr, dass sich das Papier an den unbefestigten Seitenkanten aufwölbt, ist sehr groß. Dimensioniert man andererseits die Platte nur wenige Millimeter kleiner als den Print, kann man mit etwas Pech aus einem bestimmten Bildwinkel den Unterbau sehen. Um mit solchen Projekten Sicherheit zu erlangen, ist es sinnvoll, zunächst einmal ein kleinformatiges Objekt zu bauen, um Erfahrungen zu sammeln.

Bild drei, die Brücke unterhalb der Sellagruppe, entstanden bei der Dolomitenwanderung im Herbst 2017 in der Nähe von Colfosco/Alta Badia, ist von allen drei Print-Rahmen-Konstellationen die einfachste. Für den Print verwendete ich einen Bogen Hahnemühle Photo Rag 308, Deckled Edge im Format A3+. Das beschichtete Hahnemühle Photo Rag bedarf auch keiner großen Vorbereitungen vor dem Druck, es unterscheidet sich von der am Markt bekannten Qualität des Hahnemühle Photo Rag nur durch die gerissenen Kanten. Entscheidender Vorteil des Deckled-Edge-Bogens ist die perfekte Planlage. Der IPF Pro-1000 zog ihn ohne Murren sofort ein und druckte perfekt.
Deckle Edge-Papiere kaufen oder selbst reißen?
Die Papiere mit den Reißkanten gibt es bei Hahnemühle als das im Beispiel verwendete Photo Rag 308 wie auch als William Turner (310 g/m2) und als 350 Gramm schweres Museum Etching in A3+ und in A2. Der Druck der handwerklich gerissenen Papiere ist problemlos, Wir sammelten zwischenzeitlich auch auch Erfahrungen, wie man die Papiere selber reißen kann. Das ist leichter, als es zunächst erscheint.
Bei der Rahmung ist es sinnvoll, die gerissene Kante entweder aufliegend auf ein schwarzes Passepartout oder frei schwebend wie in unserem Beispiel montiert, in die Bildgestaltung einzubeziehen. Beim verwendeten Rahmen handelt es sich um einen Halbe-Distanzrahmen aus Eiche Schwarz, Format 42 x 59,4 cm.
Selbstverständlich geben die drei Beispiele Anlass zu wunderbaren Diskussionen. So kristallisierte sich in den Gesprächen heraus, dass das großformatige Porträt des Schafes durch die glatten Kanten im Vergleich mit den beiden anderen Bildern mit Reiß- beziehungsweise Büttenrand in der Gesamtaussage verliert. Erstaunlich auch die Affinität mancher Betrachter zu dem kleinformatigen Schafporträt auf dem Büttenpapier, das zeigt, dass die Papierfarbe für ausdrucksstarke Prints nicht generell weiß sein muss, ganz im Gegenteil!
Bei aller Freude über die Möglichkeiten, mit der Creative Emulsion von Ilford beschichten zu können, nehmen Sie sich bitte Zeit für dieses Vorhaben. So kann es geschehen, dass auch nach dem Bügeln die Planlage des selbst beschichteten Materials nicht gewährleistet ist und der Drucker sich nur mit List dazu bringen lässt, das ungewöhnliche Material einzuziehen. Ich musste es auch schon erleben, dass der Druckkopf an einer Wölbung des Papiers scheuerte und feine Streifen hinterließ.