Hardwarekalibrierung für Apple Displays mit Calibrite

Farbgetreue Wiedergabe auf dem Display ist im Foto- und Videobereich unverzichtbar. Die Hardwarekalibrierung des Bildschirms gilt als Goldstandard. Bisher war eine Hardwarekalibrierung an den Apple-Powerbooks und verschiedenen Apple-Monitoren nur mit extrem teuren Farbmessgeräten möglich. Nun hat Calibrite mit dem Display Plus HL die Freigabe von Apple, die ermittelten Parameter für eine optimale Darstellung direkt im System zu hinterlegen. Wir bei Photocampus haben bereits getestet, was das auf einem MacBook Pro mit XDR-Display bringt. Aktuell bietet Calibrite, befristet bis 30. Juni 2026, das Kolorimeter Display Plus HL für 269 € an.

Was ist der Vorteil einer Hardwarekalibrierung im Unterschied zur Softwareprofilierung: Bisher konnten (bezahlbare) Messgeräte von Datacolor (Spyder) oder Calibrite (Calibrite Display) Apple-Displays nur mit Softwareprofilen optimieren. Bei dieser Softwareprofilierung ist das Profil, das zwischen Betriebssystem und Grafikkarte eine Korrektur der Bildschirmdarstellung bewirkt, der Flaschenhals. Vereinfacht ausgedrückt verbiegt das Profil das von der Anwendungssoftware (Photoshop/Lightroom) über die Grafikkarte zum Display gesendete Signal. Die so erzielte Darstellung ist in der Differenzierung der Farben weniger perfekt als bei einer Hardwarekalibrierung. Bei einer solchen werden die Werte für Weißpunkt, Gamma und Helligkeit sowie die ermittelten Differenzen zwischen momentaner und optimaler Farbdarstellung (Delta E) in der LUT (Farbtabelle) des Monitors hinterlegt. Dies entlastet einerseits die Grafikkarte und ermöglicht andererseits die optimale Umsetzung der von der Software zum Display gesendeten Farbsignale.

Freigabe des Calibrite Display Plus durch Apple ist ein Meilenstein

Da Apple bekannt dafür ist, den Zugang zu Firmware und Betriebssystem nur bei Erfüllung höchster Anforderungen zu gewähren, blieb in der Vergangenheit den Herstellern von Kolorimetern nur die Softwareprofilierung von Apple-Displays. Lösungen für eine Hardwarekalibrierung waren nur mit extrem teuren Geräten machbar. Insofern ist die Freigabe für das Calibrite Display Plus durch Apple ein Meilenstein. Letztlich erschließt das Calibrite Display Plus zum Preis von aktuell (gültig bis 30. Juni) 269 € tausenden von Apple-Anwendern die beste Qualität der Farbdarstellung auf ihren Displays. Gleichzeitig stärkt diese Maßnahme Apples führende Rolle im Segment für Foto, Video und Content-Creation.

Nicht die Fotobranche, Apple setzt die Standards in der Farbe

Hinter der Öffnung für Calibrite stecken weitere Neuheiten. Beispielsweise Apples „Colour Matching Functions 2026“ (Farbabgleichsfunktionen). Sie wurden im März 2026 mit dem wegweisenden Studio Display XDR der Öffentlichkeit vorgestellt. In den Beschreibungen zu dem Display heißt es: Dargestellt wird der Farbraum P3 sowie der Adobe RGB-Farbraum, all dies bei 120 Hz Bildwiederholrate und zum Preis von 3099 € für den 27-Zoll-Monitor mit 5K-Auflösung.

Mit Vorstellung des Studio Display XDR öffnet sich Apple erstmals für die Hardwarekalibrierung durch externe – bezahlbare – Kolorimeter wie das Calibrite Display Plus. Schließt der Verbraucher ein solches Messgerät an, geht er über die Systemeinstellungen des Apple-Rechners, wählt unter „Displays“ entsprechende Voreinstellungen und startet die Kalibrierung. Allerdings konfrontieren uns die möglichen Presets (Voreinstellungen) mit Begriffen, die in der Fotografie noch nicht so geschmeidig über die Lippen geh

Die Presets zeigen Apples führende Rolle in der Bildverarbeitung

In den Systemeinstellungen meines neuen PowerBooks finden sich in den für Foto, Video oder Druckvorstufe angelegten Presets unter Helligkeitswerten die Begriffe SDR und HDR. Dabei steht „HDR“ für High Dynamic Range. Das kennen wir noch am ehesten aus meist versauten Landschaftsaufnahmen, die durch besonderen Dynamikumfang überzeugen sollten, aber total unnatürlich wirkten. „SDR“ dagegen heißt Standard Dynamic Range. Da mit den Smartphones Bilder in SDR plus sogenannter Gain-Map als HDR gespeichert werden, wird auf den dafür geeigneten Displays (Smartphone, iPad, MacBook) diese Gain-Map aktiviert, um die Spitzlichter aufzuhellen und eine dynamische Darstellung zu erreichen. Ich erkläre dies hier nur, da die Begriffe SDR und HDR in den Presets für Verunsicherung sorgen könnten.

Für bessere Farben: Color Matching Functions 2026

Um in der Welt der Fotografie all diese Innovationen einzuordnen, ist ein Blick in das von Apple praktizierte Farbmanagement erforderlich. Bereits 2016 entschloss sich Apple, den Farbraum P3 für all seine Displays zu nutzen. Dieser ist nicht ganz identisch mit dem Gamut von Adobe RGB 1998. Beide Arbeitsfarbräume, also P3 sowie Adobe RGB 1998, bilden jedoch deutlich mehr Farben ab als sRGB, das speziell im Grünbereich nicht mithalten kann. Ungeachtet dieser Hinwendung zu besseren Farben durch P3 werden mit klassischen Kameras noch immer gefühlt 95% der Aufnahmen in sRGB gespeichert. Auch engagierte Anwender mit teuerster Ausrüstung belichten zwar in RAW, verarbeiten aufgrund mangelnder Kenntnisse das Bild danach jedoch im sRGB-Farbraum, da dieser noch heute als Standard-Farbraum gilt. Mit den neuen „Color Matching Functions 2026“ (Farbabgleichsfunktionen) hat Apple weitere Qualitätsstandards für Farbe gesetzt. Dies war nötig geworden, da sich die Lichtquellen in den Displays komplett von der einstigen Röhrentechnik hin zu LED und OLED veränderten. In der Farbdarstellung nach den alten CIE-1931-Vorgaben entstanden damit neue Probleme, die durch die „Color Matching Functions 2026“ zeitgemäß angepasst wurden.

Mehr Farben, mehr Licht, mehr Bildqualität

Voreingenommen möchte man meinen, dass dies ein typischer Apple-Alleingang war. Doch in diesem Falle arbeitete Apple mit führenden Unternehmen für Farbmanagement zusammen. Dabei wurden Standards wie CIE 1931 und CIE 2015, also teils seit 1931 bestehende Richtlinien, überarbeitet. Ziel der neuen Farbabgleichsfunktionen ist es, identische Motive auf verschiedenen Displays so anzupassen, dass Betrachter diese als übereinstimmend empfinden. Zeitgleich mit der Vorstellung dieser „Colour Matching Functions 2026“ präsentierte Apple im März das neue 27-Zoll-Studio Display mit 5K-Retina-XDR-Auflösung und Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung mit 2.000 Nits HDR-Spitzenhelligkeit. In diese Phase fällt auch die Öffnung von Apple für Farbmanagement-Fremdanbieter wie Calibrite. So können ab sofort mit dem von Apple freigegebenen Kolorimeter Calibrite Display Plus HL künftig folgende Apple-Displays hardware-kalibriert werden:

• Apple Studio Display (2022 und 2026)
• Apple Studio Display XDR
• Apple Pro Display XDR
• MacBook-Pro-Modelle
(M1 bis M5 Pro/Max und neuer)

So kalibrierst du das Display: Lösch das Licht und nimm dir Zeit

Um ein Bildschirmprofil zu erstellen, sind wir es gewöhnt, eine Software zu starten, den Sensor von Calibrite oder anderen Herstellern vor das Display zu hängen und in der Software die gewünschten Parameter für Farbtemperatur, Helligkeit und Gamma zu wählen. Nach Programmstart machen Monitor und Messgerät den Job ohne uns, bis nach wenigen Minuten das ICC-Profil abgelegt ist.

Start der Kalibrierung in den Apple-Systemeinstellungen

Die Liste der Presets in den Systemeinstellungen von Apple enthält Vorgaben für bestimmte Anforderungen. Für Bildbearbeitung und Fotografie ist "Photography (P3-D65)" die Ausgangsbasis. Klicken wir auf "Voreinstellungen bearbeiten", so können wird Korrekturen beispielsweise in der Monitorhelligkeit vornehmen.
Die Liste der Presets in den Systemeinstellungen von Apple enthält Vorgaben für bestimmte Anforderungen. Für Bildbearbeitung und Fotografie ist „Photography (P3-D65)“ die Ausgangsbasis. Klicken wir auf „Voreinstellungen bearbeiten“, so können wird Korrekturen beispielsweise in der Monitorhelligkeit vornehmen.

Wer allerdings nun mit einem Display Plus HL in 15 Minuten das Display eines PowerBooks optimieren möchte, wird radikal umdenken müssen, denn wir starten in den Systemeinstellungen des Mac. Dort gehen wir in den Menüpunkt „Voreinstellungen“ und schauen uns die Liste der Presets an. Die obere Gruppe enthält bei mir beispielsweise XDR Display (P3-1600 nits). Das bedeutet Arbeitsfarbraum P3 und 1600 nits, also maximale Helligkeit. In der darunter angeordneten Gruppe warten Spezialanwendungen auf unsere Entdeckung. Neben diversen Presets für Videoschnitt sind die Presets „Design&Print“ und Photography für uns möglicherweise interessant.

Nachdem wir auf "Preset bearbeiten" geklickt haben, können wir die gewählten Parameter teilweise verändern. Als Standard war bei "SDR" der Helligkeitswert bei 80 Candela angegeben. Das ist nur in abgedunkelten Räumen sinnvoll, ich habe deshalb 120 cd eingestellt.
Nachdem wir auf „Preset bearbeiten“ geklickt haben, können wir die gewählten Parameter teilweise verändern. Als Standard war bei „SDR“ der Helligkeitswert bei 80 Candela angegeben. Das ist nur in abgedunkelten Räumen sinnvoll, ich habe deshalb 120 cd eingestellt.

Sinnvolle Empfehlungen für Bildbearbeitung und FineArt-Printing

So gehe ich für Bildbearbeitung und FineArtPrinting vor: Ich wähle das Preset „Photography D65“ und modifiziere es dahingehend, dass ich den Wert für Bildschirmhelligkeit bei SDR auf 120 und bei HDR auf 160 einstelle. Die für SDR (Standard Dynamic Range) vorgeschlagenen 80 Candela (cd) sind für ein Arbeiten bei Tageslicht aus meiner Sicht zu dunkel, deshalb die Entscheidung für 120 cd. Als Gamut (Arbeitsfarbraum) ist dort P3 eingestellt. Eine Modifizierung auf Adobe RGB gibt die Voreinstellung meines PowerBook nicht her, das funktioniert nur auf den Studio-Displays von Apple. Den eingestellten Weißpunkt von D65, das entspricht einer Farbtemperatur von 6500 Kelvin, empfinde ich zwar als kühl, aber durchaus sinnvoll. Nur zum Vergleich: Die Farbtemperatur der Diafilme wie Ektachrome 64 lag bei 5500 Kelvin. Die Wahl des Presets für Design & Print aktiviert als Weißpunkt D50, was 5000 Kelvin entspricht. Auf mich wirkt D50 deutlich zu warm. Dieses Preset ist für Mitarbeiter in der Druckvorstufe und der Druckvorbereitung, beispielsweise in der Zeitschriftenproduktion, sinnvoll.

Unter Voreinstellung ist nun das modifizierte Preset gewählt. Im nächsten Schritt klicke ich auf "Vollständige Kalibrierung" und der Prozess beginnt. Auf dem Display leuchtet ein grüner Kreis, auf dem das Calibrite Display Plus HL aufgesetzt wird. Nach Klick auf "Beginnen" wird für 30 Minuten das zu messende Display in voller Intensität leuchten, ehe der eigentliche Messvorgang überhaupt beginnt. Nach etwa 50 Minuten ist der Vorgang beendet
Unter Voreinstellung ist nun das modifizierte Preset gewählt. Im nächsten Schritt klicke ich auf „Vollständige Kalibrierung“ und der Prozess beginnt. Auf dem Display leuchtet ein grüner Kreis, auf dem das Calibrite Display Plus HL aufgesetzt wird. Nach Klick auf „Beginnen“ wird für 30 Minuten das zu messende Display in voller Intensität leuchten, ehe der eigentliche Messvorgang überhaupt beginnt. Nach etwa 50 Minuten ist der Vorgang beendet © Screenshots by photocampus.eu

Messwerte werden in den Systemeinstellungen gespeichert

Nachdem also mein Preset unter „Voreinstellung“ gesichert ist, geht das Fenster „Apple Pro Display-Kalibrierung“ auf und ich wähle dort „Vollständige Kalibrierung“. In einem von Calibrite unterstützten Video kommt der Hinweis, dass ein neues MacBook Pro von den Werkseinstellungen perfekt sei und eine Kalibrierung frühestens nach einigen Wochen Betrieb sinnvoll sei.

Nach einem Klick auf „Vollständige Kalibrierung“ werde ich aufgefordert, das Display Plus HL in die Mitte des aufleuchtenden grünen Kreises auf das leicht nach hinten geneigte Display zu platzieren. Nach Klick auf „Beginnen“ schaltet sich das Display in den Aufwärm-Modus und strahlt mit voller Helligkeit 30 Minuten lang. Damit wird gewährleistet, dass alle Elemente des Displays gleichmäßig warm sind. Nach etwa weiteren 20 Minuten, bei denen das Display minutenlang dunkel bleibt, endet das Programm und die Parameter sind in den Systemeinstellungen hinterlegt und auch die Monitoreinstellung beträgt 120 Candela.

Hardwarekalibrierung erhöht den Nutzwert auch der MacBooks

Mein Fazit: Für unterwegs, beispielsweise in Oberstdorf beim Fotogipfel oder bei der Sommerakademie in Südtirol, benötige ich einen tragbaren Rechner, und ich nutze seit 42 Jahren Apple-Hardware, also habe ich für solche Einsätze ein MacBook Pro. Mit den Farbprofilen, die ich bisher dafür erstellte, war eine qualifizierte Arbeit möglich; mehr Sicherheit in der Bildbeurteilung am Display vermittelte mir jedoch der hardwarekalibrierte 4K-Monitor am heimischen Rechner. Deshalb ist die jetzt vorgestellte Lösung für mein MacBook Pro ein für mich wertvoller Schritt zu besserer Qualität, speziell bei Bildbearbeitung unterwegs. Aufgrund des aktuellen Sonderpreises ist die Anschaffung eines Calibrite Display Plus HL für aktuell 269 € für viele Anwender eine sinnvolle Investition in mehr Qualität bei der Bildbeurteilung am Rechner. Wer ein Studio-Display nutzt, kann meines Erachtens darauf ohnehin nicht verzichten.

Hermann Will