Die Sieger-Projekte des HD-Fotobuch Contests 2026

Der HD-Fotobuch-Contest 2026 bestätigt einmal mehr den Sinn eines Fotobuchs: Stelle als Fotograf Bilder zu einem bestimmten Thema zusammen. Gestalte damit ein Buch und lasse es in Auflage 1 drucken. Dies ermöglicht dir, Mitmenschen an deinen einzigartigen Aufnahmen teilhaben zu lassen, egal ob diese vor der Haustür oder in fernen Ländern entstanden sind. Das Fotobuch als Genre ist durch den Digitaldruck „demokratisiert“, das heißt, jeder, der Inhalte erstellen kann, kann sein Buchprojekt als Einzelstück verwirklichen und hat damit etwas vorzuzeigen, was viele Gespräche ersetzt und ein klares Image beim Betrachter schafft.
Veranstalter des HD-Fotobuch-Contests ist das in Innsbruck ansässige Unternehmen Foto Lamprechter, das mit den Diensten fotobook.de/fotobok.at Marktführer in Österreich und Qualitätsmarktführer durch den 6-Farben-Inkjetdruck in der Buchproduktion ist. Das von Canon entwickelte HD-Fotobuchsystem bietet neben einem überragenden Farbraum auch eine innovative Bindeart an, sodass ein HD-Fotobuch, beispielsweise im Format 30 x 30 cm, mit Bildern eines Fotografen auch ein persönliches Statement darstellt.
Fotobuch New York City von Angelika Noack

Das New-York-Buch von Angelika Noack aus Mannheim macht mit einer Cover-Aufnahme einer Fassade auf sich aufmerksam. Statt eigener Typografie nutzt Noack die auf der Fassade senkrecht angeordneten Buchstaben „NYC“. Mit diesen wenigen Elementen macht sie den Betrachter neugierig und führt ihn auf 100 Seiten durch die winterliche Metropole des Januars 2026. Im Vorwort lesen wir, dass sich das Buch bewusst auf Streetfotografie in New York beschränkt und die touristischen Höhepunkte ausklammert. Noack: „Das Buch beschränkt sich auf Streetfotografie, Menschen und Situationen. Meine Fotos zeigen, wie die Menschen mit der klirrenden Kälte umgehen. Manche dick vermummt wie ich, andere wirken sehr gelassen.“
Was die Juroren beeindruckte: Die Fähigkeit der Fotografin, auch in banalen Nebensächlichkeiten die besondere Ästhetik zu erkennen. Geschickt sind in den Bildern von düsterkalten Straßenschluchten, Hot-Dog-Stände, Kioske und Leuchtreklamen als pulsierende, optisch wärmende Elemente als Kontrast zum Großstadtwinter eingestreut. Noack zeigt die Menschen auf ihren Wegen in der Metropole zwischen den Schneeresten und parkenden Autos und stets den Blick auf das Smartphone-Display gerichtet. Sie nimmt uns mit in die Bahnhöfe und Fähren und zeigt, dass das Leben für die Menschen zu dieser Jahreszeit möglicherweise von der Sehnsucht nach Wärme dominiert wird.
Angelika Noack hat alle Bilder konsequent auf schwarzem Untergrund positioniert. Dies unterstreicht das karge winterliche Geschehen in der Metropole. Geschickt nutzt sie auch das beeindruckende Doppelseiten-Format für besonders eindrucksvolle Fotos. Mutig lässt sie einige linke Seiten im Buch frei, um das Bild auf der rechten dadurch aufzuwerten.
Wo die Jury noch Optimierungsbedarf sieht: Auf dem Umschlag findet man nirgends einen Hinweis auf den Namen der Autorin. Denkt man sich das Buch als rein privates Fotoalbum ist das nachvollziehbar. Wer ein solches Buch jedoch beispielsweise bei einer Ausstellung zum Blättern auslegt, sollte seinen Namen sinnvollerweise auf dem Umschlag deutlich sichtbar platzieren. Das Buch ist schließlich ein persönliches Statement.
Fotobuch „Annotopia“ von Peter Ziegler

Was ist mit uns, wenn die Zivilisation sich aufgelöst hat? Wie würde eine fiktive Postapokalypse aussehen? Diesen Visionen widmet sich seit mehr als zehn Jahren das Künstlerkollektiv „Wasteland Warriors“. Diese waren Teilnehmer eines in Bad Mergentheim (D) durchgeführten Festivals mit dem Namen „Annotopia – Deine Träume erwarten dich“. Peter Ziegler schreibt im Vorwort zu seinem Fotobuch: „Da treffen sich Römer, Dinosaurier, Transformers, Theaterleute, Steampunker. Nur um einige zu nennen. Besonders angetan war ich von den Wasteland Warriors! Eine Truppe, die Endzeitstimmung verbreitet. Ich rede hier nur von den Kostümen. Sie präsentieren sich, als wären sie gerade einem Mad-Max-Film entsprungen. Für mich äußerst fotogen. Einmal angesprochen, waren die Wasteland Warriors sehr kooperativ.“ äußerst fotogen. Einmal angesprochen, waren die Wasteland Warriors sehr kooperativ“.

Was die Juroren beeindruckte: Die Aussagekraft der Bilder ist zugleich beeindruckend und oftmals auch verstörend. Ziegler geht in den Dialog mit den durch Masken und Kostüme teils abstoßend wirkenden Menschen und lässt uns erkennen: Trotz aller Endzeitstimmung bleibt das Menschliche in den Gesichtern erhalten. Ein Funkeln in den Augen signalisiert Sympathie, während die Maske Brutalität und Abschreckung nach außen vorgibt. Punktgenaue Fokussierung auf die Augenpartien zeigt, dass Ziegler den Zugang zu den Menschen gefunden hat, die gespannt in sein Objektiv blicken und ihre skurrile Verkleidung nur als Maskerade in den Vordergrund stellen. Auch Ziegler nutzt das beeindruckende Schwarz der Fotobuch-Seiten, um seine Inszenierungen in der Aussagekraft zu unterstreichen. Detailschärfe und Bokeh zeugen vom perfekten Umgang mit dem Equipment.

Peter Ziegler schreibt zu seinem gedruckten Buch: Als regelmäßiger Teilnehmer kann ich nur sagen: Mein Buch „Annotopia“ ist erneut sensationell gedruckt und gebunden. Meine Erwartung war schon hoch, nachdem ich gesehen habe, wie hervorragend mein Vorgängerprojekt „Body Painting“ gefertigt wurde. Da gibt es nichts, aber auch gar nichts zu bemängeln! 1A-Qualität!
Wo die Jury noch Optimierungsbedarf sieht: Da Peter Ziegler schon mehrere Male unter den Gewinnern war, gibt es nur noch einen Punkt, an dem er etwas optimieren kann: Beim Buchtitel. Der Schriftzug ANNOTOPIA auf dem Cover ist zwar absichtlich dezent angelegt, um nicht vom Hauptmotiv abzulenken, dennoch: eine Spur markanter wäre sinnvoll.
Fotobuch Mongolei von Guido Kettner

Wenn die Motive um einen herum in solcher Fülle vorhanden sind, dann könnte ich das auch. Wir haben ihn oft gehört, diesen Satz und dennoch: Das gilt es erst einmal zu beweisen, denn wer Menschen in ihrer Umgebung fotografieren möchte, muss mit ihnen kommunizieren. Guido Kettner hat sich die Fähigkeit, auf Menschen verschiedener Kulturen zuzugehen, bewahrt. Es gibt Fotos, da sitzt er mit Afrikanern in deren Hütten und in der Mongolei fand er ebenfalls innerhalb kürzester Zeit den Kontakt zu den Frauen und Männern vor seiner Kamera. Sei es bei der Schamanin, die mit ihren Federn seiner Kamera und ihm einen besonderen Blick schenkte oder bei den Adlerjägern, in deren wettergegerbten Gesichtern die blitzenden Augen sichtbar sind, wenn sie für Kettner mit ihren Flugjägern posierten. Die nördliche Mongolei in ihrer Kargheit und sibirischer Kälte hat es Kettner besonders angetan und das schreibt er auch in seinem kurzen Vorwort.

Was die Juroren beeindruckte: Die Bilder von Guido Kettner vermitteln einen lebendigen Einblick in eine Region, die mit 3,3 Millionen Einwohnern bei vierfacher Größe Deutschlands zu am dünnsten besiedelten der Erde gehört.
Das großzügige Layout nutzt die Doppelseitenwirkung des aufgeschlagenen Buches für perfekte Panorama-Formate mit 30 x 60 cm aus und durch den hochwertigen Inkjet-Druck werden die teils farbenprächtigen Gewänder der Mongolen besonders eindrucksvoll dargestellt. Egal ob es die Gesichter der Kinder, der Schamanin oder der Adlerjäger sind: Die Offenheit der Menschen weckt Sympathie für ein Land, über das wir hierzulande wenig wissen und dies hat Kettner in dem Buch eindrucksvoll umgesetzt.
Wo die Jury noch Optimierungsbedarf sieht: Titelbild und Inhalt sowie die sparsam eingesetzten Texte geben keinen Anlass, etwas noch zu verbessern.

Kommentar
Gib deinen Fotos einen Raum
Millionen von Bildern darben auf den Festplatten von Fotografen. Wird sie je nochmals jemand sehen, bevor der Datenträger eines fernen Tages am Wertstoffhof abgegeben wird? Welch visuelle Schätze auf den Festplatten schlummern, mag kaum jemand ermessen. Dennoch möchte ich immer wieder darauf hinweisen. Der Werdegang des mit Tausenden von Fotos gefüllten Datenträgers ist vorgezeichnet. Nach dem Tod des Besitzers wird kaum noch jemand zu finden sein, der die digitalen Bilder auswertet. Der Einzige, der dies effizient könnte, ist der Fotograf, der Bildautor selbst. Gib also deinen Bildern einen Raum, bevor die Festplatte geschreddert wird. Druck sie, oder lass sie drucken.
Wäre dies nicht eine Initiative, die fehlt? Eine Initiative deren Ziel es ist, dieses Thema in das Bewusstsein der Fotografen zu rücken um zumindest besondere Aufnahmen des jeweiligen Bildautors zu drucken, oder als Fotobuch zusammenzustellen? Wir werden das Thema weiterverfolgen, ebenso wie den HD-Fotobuch-Contest 2027, für den du jetzt schon Material sammeln darfst.
Hermann Will