Stürzende Linien? So geht es ohne Shift-Objektiv
Wozu benötigen Shift-Objektive einen größeren Bildkreis? Nur dank einer solchen, im Objektivbau nur mit viel Aufwand machbaren Eigenschaft, kann ein Teil der optischen Konstruktion verschwenkt werden und der Bildwinkel erweitert werden. Bei senkrecht ausgerichteter Kamera ermöglicht es dieses Verschwenken, auch hohe Gebäude ohne stürzende Linien abzubilden. Um es verständlicher zu machen: Durch die senkrecht ausgerichtete Kamera und die Verschwenkung wird der Sensor in den Bereich gebracht, in den das verschwenkte Objektiv das Bild des Gebäudes projiziert.
T/S-Objektive bieten größeren Bildkreis und komplexe Mechanik
Shiftobjektive sind also optische und mechanische Meisterwerke. Neben dem mechanischen Aufwand für die beweglichen Teile des Objektivs sind auch die optischen Komponenten meist sehr teuer, da nur Kleinserien vermarktet werden können. Hersteller wie Canon bieten derartige Optiken als Tilt-Shift-Objektive, beispielsweise mit den Brennweiten 17 oder 24 mm für Architekturfotografen an. Die Objektive von Canon mit 50 und 90 mm sind stärker auf den Einsatz in der Makrofotografie optimiert. Nikon hat keine eigenen neuen Shift-Objektive am Start. Anwender greifen deshalb unter anderem auf Modelle von TTArtisan und Loawa zurück. Optiken dieser beiden chinesischen Hersteller werden auch für andere Kameraanschlüsse geliefert: Beispielsweise Sony Vollformat, Nikon-Z, Pentax K, MFT, sowie L-Mount, ebenso für Hasselblad XD und für Fuji GFX. Wobei Fuji für die GFX gleich zwei Shift-Optiken anbietet: Das GF 30 mm f5,6 T/S und das auf den Nahbereich optimierte GF 110mm F5,6 T/S Macro, das mit 3690 € an der oberen Preisgrenze liegt.
Wie vermeide ich ohne Shift-Objektiv stürzende Linien?
Gehörst du also zu den Kamerabesitzern, die bisher nicht in ein Shiftobjektiv investiert haben? Für dich könnte es sich lohnen, sich mit der „Neigen-statt-shiften“-Methode zu beschäftigen, denn der Grundlagenkurs von Roberto Casavecchia vermittelt dir jenes Wissen, mit dem dir auch ohne Shiftobjektiv perfekte Städte-Ansichten gelingen. Wie generell in der Städte- und Architekturfotografie, geht es bei „Neigen statt shiften“ darum, Architekturaufnahmen und Stadtansichten zu erzielen, die keine stürzenden Linien aufweisen. Grundsätzlich erfordert diese eine Kameraausrichtung im 90-Grad-Winkel zu den aufzunehmenden Fassaden. Sinnvoll kann es also sein, die in vielen Kameras gebotenen Wasserwaage-Einstellungen zu aktivieren und die Kamera senkrecht auszurichten. In vielen Modellen lässt sich speziell dafür ein Raster im elektronischen Sucher aktivieren. Richten wir die Kamera danach aus, dass alle Senkrechten der Gebäude auch senkrecht im Sucherbild erscheinen, haben wir den bekannten Effekt. Entweder sind wir zu nah am Objekt und das Gebäude ist oben abgeschnitten oder wir haben das Gebäude senkrecht im Sucher, doch mit so viel Vordergrund, dass wir jede Menge Auflösung verschenken. Könnte man mit diesem Kompromiss noch leben, so setzen oftmals die räumlichen Verhältnisse die Grenzen und wir können nicht weiter zurück.
Du lernst, mit dem Standardzoom Architektur zu fotografieren
Was also wäre, wenn wir mit einem Standardzoom von 24 bis 70 oder 28 bis 70 mm in der Weitwinkel-Stellung arbeiten könnten? Erstens haben wir in vielen Fällen bei diesen Objektiven auch bei Offenblende bereits eine sehr gute Abbildungsqualität und zweitens kennen wir uns mit der Optik bestens aus und sehen auch alles perfekt wie immer im Sucher. Und damit kann ich gute Architekturaufnahmen machen? Ja, wenn du weißt, was du bei der Aufnahme an Parametern beachtest und wenn du bei der Bildbearbeitung die Schritte abarbeitest, die die bei der Aufnahme eingestellte Kameraneigung wieder ausgleicht. Du arbeitest also in einem Raster, bei dem die Kameraneigung bei der Aufnahme bewusst eingeplant wird, um jene Neigung in der Bildbearbeitung durch entzerren wieder zu neutralisieren. Vereinfacht: Wenn wir bei der Aufnahme die Kamera aus der perfekten Ausrichtung kippen und diesen Wert exakt in der Bildbearbeitung wieder neutralisieren, sind alle Senkrechten wieder so wie wir dies wünschen, ohne dass wir shiften, ohne dass wir ein Shift-Objektiv nutzen.
Neigen statt shiften: Stürzende Linien beseitigen
Sinnvoll für die Bildbearbeitung ist nach der RAW-Konvertierung, beispielsweise in Capture One, der Import in Photoshop und dort die weitere Bearbeitung im Menü Transformieren/Entzerren. Haben wir beispielsweise bei der Aufnahme die Kamera mit 8 Grad geneigt, so müssen wir exakt diese 8 Grad auch im Entzerren-Menü wieder anwenden. Dabei gilt die sogenannte Drittel-Regel: Der maximale Neigungswinkel beträgt ein Drittel der Brennweite, was bei 24 mm eben den 8 Grad entspricht. Da wir mit dem Standardzoom arbeiten, können wir bei Bedarf auch andere Brennweiten, beispielsweise 30 mm wählen. Dann könnten wir (Drittelregel!) die Kamera sogar bei der Aufnahme um 10 Grad neigen. Du siehst, die Flexibilität, des Standardzooms erleichtert deine Aufnahmen ungemein und du kannst mit nur einer Optik auf deiner Kamera und dem Stativ losziehen.
Neigen statt shiften ersetzt nicht nur das Shift-Objektiv komplett, sondern hat in den meisten Anwendungsfällen auch den Vorteil, dass die Verzeichnung im geshifteten Bereich nicht anders als im Zentrum des Bildes ist. Wenn du dich also für Neigen statt Shiften entscheidest, hast du neben der Ersparnis für ein teures Objektiv auch den Gewichtsvorteil. Alles, was du vor Ort benötigst, ist deine Kamera mit Standardzoom und ein Stativ, an dem du den Neigungswinkel einstellen kannst, denn sinnvollerweise solltest du beim Neigen die Drittelregel berücksichtigen. Wir haben den Vergleich gemacht und nur in seltenen Fällen ist das Ergebnis mit Shift besser als der im Kurs gezeigte Weg. Warum du davon erst jetzt erfährst? Weil bei jeder Neuvorstellung eines Shiftobjektivs über dessen Vorteile berichtet wird.
Capture One und Photoshop für beste Bildqualität
Der Fotokurs von FineArtPrinter/Photocampus.eu-Autor Roberto Casavecchia zeigt die Realisierung im RAW-Konverter Capture One für Entwicklung und in Photoshop für die anschließende Ausrichtung der Aufnahme durch Entzerren.
Wir können jetzt bereits versprechen, dass du von den im Kurs-Video aufgezeigten Möglichkeiten begeistert sein wirst. Buche den Fotokurs in unserem Webshop, dann senden wir den Zugang zur Photocampus-Mediathek zu. Hier geht es zur Buchung des Kurses.