Die Elemente im Bild von Georg Berg, wie sie theoretisch in KI als typische Bildbestandteile analysiert wurden © Georg Berg
In der Mitte das Original von Georg Berg, der in seiner Illustration aufzeigt, wie KI möglicherweise die einzelnen Elemente des Bildes abarbeitet. Plasselb ist übrigens der Ort, in dem Georg Berg das Foto schoss. © Georg Berg/tellerrandstories.de

Gaslighting mit dem Urheberrecht durch SynthID

21. Februar 2026. Künstliche Intelligenz übernimmt viele Aufgaben. Doch was, wenn ein sauber retuschiertes Foto in der Google-Überprüfung durch die in Gemini enthaltene SynthID Verification als KI-generiert „deklassiert“ wird? Der Fotograf und Journalist Georg Berg hat genau das erlebt. Seine Fazit: „Der Algorithmus von Synth ID“ kennzeichnet mein Originalfoto als KI-Bild und entwertet damit mein Urheberrecht.“ Googles Antwort auf den begründeten Protest: ‚Won’t Fix‘. Ein Blick auf ein Systemversagen, das Politik, Wissenschaft und Medien nicht länger ignorieren dürfen.

Entsteht aktuell durch KI eine neue Form von „Gaslighting“, indem Bild-Urheber durch KI- ihrer Rechte am Original enthoben werden? Bekanntlich beschreibt dieser Begriff eine subtile Form der psychischen Manipulation. Zu dem Begriff befragen wir Google: „Gaslighting ist eine subtile Form der psychischen Manipulation, bei der Täter die Realitätswahrnehmung ihrer Opfer gezielt verzerren, um Unsicherheit zu säen, das Selbstvertrauen zu zerstören und Kontrolle auszuüben.“ So jedenfalls die KI Zusammenfassung.

Stuft SyntID das Bild als KI-generiert ein, bist du nicht mehr Urheber

Nun, soweit sind wir hier in diesem Fall noch nicht. Doch das Gefühl von Ohnmacht beim Bildautor, dessen handwerklich saubere Retusche dazu führt, dass das Bild als KI-generiert abgewertet wird, bleibt. Niemand lässt sich gerne Manipulation unterstellen und seiner Urheberrechte entheben! Noch dazu mit der unmissverständlichen Aussage „Won’t Fix“. Das heißt letztlich „Da gibt es nichts zu diskutieren. Wir haben entschieden. Füge dich unserer Realität“. Zur Ausgangslage: Ein Reisefoto, das der Fotograf und Journalist Georg Berg in der Schweiz aufgenommen hat und das er sauber retuschierte, wird bei der Prüfung durch die SynthID Verification von Google als KI-generiert eingestuft, sein recht als Urheber verschwindet damit hinter dem Label „KI-generiert“.

Auf die Urheberrechte geht Google überhaupt nicht ein

Zu den technischen Details schreibt Georg Berg: Ursprünglich plante ich einen Artikel über die KI-Bilderflut im Netz, den ich ironischerweise ausschließlich mit KI-Bildern illustrieren wollte. Als Reisejournalist, der vor Ort Aufnahmen schoss, also einen Moment aus der örtlichen Realität abbildete, wollte er aufzeigen, dass sich die KI-Modelle irgendwann bei ihren eigenen Versatzstücken bedienen werden. Berg. „Doch während ich im Gemini-Chat experimentierte, um aus meinem Originalbild Varianten zu generieren, entdeckte ich, wie das Tool mit dem Urheberrecht umgeht. Der Artikel nahm eine andere Richtung.

„Mein Foto war zudem mit dem C2PA-Zertifikat ausgestattet“

Nach meiner Entdeckung, dass meine saubere Bildbearbeitung in LR durch die SynthID Verification als KI-generiert eingestuft wurde, suchte ich den Dialog. Ich meldete das Problem (Issue 483464959) beim Google AI Vulnerability Program und lieferte einen Lösungsvorschlag zur Kopplung mit den C2PA-Daten (Coalition for Content Provenance and Authenticity (C2PA).“ Google ist Mitglied des Lenkungsausschuss dieser Organisation, die von Adobe, Google, der New York Times und Twitter vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde.  Georg Berg: „Die Antwort ist für mich absolut unverständlich, insbesondere da mein Bild mit C2PA-Zertifikat als eine reale Fotografie gekennzeichnet war.“

Das C2PA-Zertifikat, das das Urheberrecht gegen Ki-generierte Bilder abgrenzen soll, nutzte offensichtlich überhaupt nichts. Die Zurückweisung, besser noch Missachtung von Bergs Lösungsvorschlags durch Google macht deutlich, dass eine solche Intervention n offensichtlich mit einer KI-generierten Antwort abgebügelt wird.

Schon eine Minute später kam die Antwort „Won’t Fix“

Zwischen Einreichung des Lösungsvorschlags und der prompt, automatisiert und ernüchternden Antwort verging laut Berg kaum mehr als eine Minute. Der Betroffene dazu: „Eine Minute, um einen mehrseitigen technischen Bericht mit Beweiskette zu prüfen? Unwahrscheinlich. Die Antwort trägt alle Zeichen automatisierter Triage: Standardformulierungen, Verweise auf irrelevante Kategorien (Safety Bypasses, Hallucinated Sandbox Escapes), keine Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Inhalt.

Weiter schreibt Berg: „Meine Meldung wurde nicht abgelehnt, weil sie falsch war. Sie wurde abgelehnt, weil sie zu häufig ist. „This is one of the most common issues reported“, schreibt das System. Mit anderen Worten: Viele Fotografen und Journalisten haben das gleiche Problem entdeckt. Aber statt es zu beheben, sortiert Google diese Meldungen systematisch aus. Google spielt hier ein gefährliches Spiel mit dem Gesetz. Mein Vorschlag war kein bloßer technischer Hinweis, sondern eine Brücke zur Rechtssicherheit. Wer Originale als generischen KI-Output deklariert, greift in das Herzstück des Urheberrechts ein. Dass Google diesen Schutzmechanismus ausschlägt und den systemischen Fehler zum ‚beabsichtigten Feature‘ erklärt, zeigt, wie weit sich die Plattformen bereits von der Rechtsrealität der Schöpfer entfernt haben.“

Wenn Algorithmen das Urheberrecht an sich ziehen….

Leidenschaftlich plädiert Berg für die Wahrung der Urheberrechte und schreibt: „Dass ein authentisches Werk als KI-Produkt gebrandmarkt wird, ist für den Tech-Giganten kein Fehler, sondern ein ‚bekanntes Verhalten‘. In der Logik des Unternehmens ist die fehlerhafte Etikettierung kein Sicherheitsrisiko, sondern akzeptiertes Rauschen im System. Für Journalisten und Fotografen bedeutet das einen Verlust der Urheberschaft. Irrt der Algorithmus, hat der Mensch kein Widerspruchsrecht. Die Technik definiert die Wahrheit, und wer durchs Raster fällt, hat Pech gehabt.

Je mehr Maschinen die Realität ‚schützen‘, desto leichter verlieren wir die Menschen aus dem Bild. Doch gerade deshalb ist es heute wichtiger denn je, auf der eigenen Urheberschaft zu beharren. Ein „Won’t Fix“ darf nicht das letzte Wort über unsere Arbeit sein.“    Hermann Will

Zum Originalbeitrag von Georg Berg