Sieben Herausforderungen für Drucker-Besitzer
Eine Portfoliobox für die besten Prints

Wer Prints in der Öffentlichkeit vorzeigen kann, lässt Fotofreunde, die auf Nachfragen etwas von eigener Website murmeln, meist alt aussehen. Ich nenne eine Portfoliobox, die man zu Veranstaltungen mitnimmt, augenzwinkernd „Wichtelbox“. Schließlich wollen wir alle für unsere Bilder mindestens gelobt, wenn nicht gar bewundert werden. Selbst wenn dies das altbekannte Social-Media-Verhalten ist, das wir gern auch mal kritisch betrachten.
Wie nützlich eine Portfoliobox im Rucksack sein kann, habe ich bei einem Konzert in Ebersberg erlebt. So klopfte mir, während ich im Silent-Mode ein Jazzkonzert vom Sitzplatz aus mit dem Tele fotografierte, eine Frau von hinten auf die Schulter und zischte: „Jetzt reicht’s aber!“ Irritiert wartete ich einige Minuten bis zur Konzertpause, um mich umzuwenden und der Frau freundlich zu erklären: „Ich zeig Ihnen mal, was da rauskommt.“ Während ich also meine Bilder aus der Box holte, verschwand die Frau panisch, da die Leute um uns herum die Prints begeistert kommentierten. Ohne diesen Zwischenfall hätte ich kaum so viele Bewunderer für meine Bilder gefunden.
Was benötigen wir für die Portfoliobox?: Wer eine Portfoliobox auch unterwegs nutzen will, sollte sich die Frage stellen, ob das Format A4 möglicherweise bereits ausreicht. Bilder in diesem Format kann man letztlich überall und auch unaufgefordert vorzeigen. Portfolioboxen im Format A4 haben wir jahrelang mit feiner FineArtPrinter-Prägung verkauft. Im Shop haben wir ein Exklusiv-Angebot, das der Buchbinder nach Kundenvorgaben auch fertigen kann. Wichtig ist, dass die Boxen aus langzeitstabilen Materialien gefertigt wurden. Ausgasende Klebstoffe und vergilbende Leime sollten nicht verarbeitet sein. Für das Archiv zu Hause bietet Hahnemühle Archivboxen aus alterungsbeständigem Wellkarton an. Beispielsweise in den Formaten A4, A3, A3+ und A2.
Prints beschriften und signieren

„Mein Bild ist doch kein Kunstwerk?“ Fragend blicken mich manche Fotografen an, für die ich ein Bild gedruckt habe und die ich darauf aufmerksam mache, den Print bitte zu signieren. Doch – der druckfrische Print ist ein Kunstwerk, das auf wertvollen Fine-Art-Medien mit langzeitstabilen Tinten gedruckt wurde. Was im monetären Sinne der Wert eines Kunstwerks ist, entscheidet letztlich der Markt. In jedem Fall ist jeder Fine Art Print ein Unikat, auch wenn er zehnmal gedruckt ist. Wenn der Print zu einer Serie von mehreren identischen Kopien – also einer limitierten Edition – gehört, dann schreiben wir dies auch. Wenn wir also zum Beispiel von einem besonders gelungenen Motiv neun Exemplare in gleicher Größe drucken, signieren wir mit I/ 9 oder I/IX, 2/9 oder II/IX und so fort.
Grundsätzlich sollten Sie Ihr Bild auch deshalb unterschreiben, weil solche Prints in einigen Jahrzehnten einen wertvollen Einblick in die „damalige Zeit“ gewähren. Je mehr Informationen auf dem Print zu finden sind, desto leichter ist es später einmal, dem Motiv gewisse Fakten zuzuordnen. Ich schreibe beispielsweise meist unter dem linken Bildrand den Bildtitel und die Aufnahmezeit (etwa Hamburg, 12. Okt. 2023), rechts setze ich meine Signatur. Auf mattem Papier eignen sich dazu weiche Bleistifte bestens. Auf glänzenden Medien allerdings ist Bleistift ungeeignet. Im Schreibwarenhandel gibt es unter anderem Tintenrollerstifte mit dokumentenechter Tinte, etwa „Uniball Fine“ von Mitsubishi Pencil. Diese tragen das Prädikat „Waterproof/Fadeproof“ und sind letztlich für die Unterzeichnung von Schecks und Dokumenten entwickelt und bestens dazu geeignet, auf glänzenden Medien zu signieren. Von Hahnemühle werden ebenfalls Signierstifte angeboten.
Ein eigenes Album drucken
Von Hahnemühle, früher auch von Ilford, gibt es Fotoalben zum Selberdrucken. Feinste Baumwollpapiere mit Lochrand und Rillung werden dabei auf dem heimischen Inkjet-Drucker bedruckt. Ein solches Albenset besteht aus den Buchdeckeln, aus dem Buchrücken, aus Lochschrauben und der entsprechenden Menge an gerillten und gelochten Papieren. Unkompliziert ist der Druck eines Inkjet-Albums, wenn man lediglich rechte Seiten bedruckt. Richtig zur Herausforderung kann es werden, wenn man sowohl linke als auch rechte Seiten bedruckt, die Papiere also wirklich doppelseitig bedruckt. Dazu gibt es verschiedene Vorgehensweisen, die sicherste ist, die gelochten Seiten immer mit dem Lochrand nach oben in den Drucker zu legen. Hierzu ist es erforderlich, dass man sich für links und rechts Musterseiten anlegt, damit man einerseits die Bilder richtig einander zuordnen kann und andererseits die Seiten auch so durch den Drucker laufen lassen kann, dass der Reihe nach alle rechten Seiten gedruckt werden und nach einer Druckpause von mindestens zwölf Stunden die linken Seiten drankommen, das heißt, das bedruckte Blatt wird mit der bereits bedruckten Seite nach hinten in den Drucker eingelegt. Wie beim ersten Durchlauf auch, schaut der Lochrand nach oben. Das Rezept für den Erfolg ist dabei die Drehung der Seiten. So werden vor dem Druck alle rechten Seiten gegen den Uhrzeigersinn um 90 Grad gedreht, wohingegen die linken Seiten um 90 Grad im Uhrzeigersinn gedreht werden. Mit diesem Schema kann man es schaffen, 50 Blatt vorder- und rückseitig zu bedrucken, ohne auch nur eine Seite als Fehldruck vernichten zu müssen. Wichtig dabei: Geduld und Sorgfalt. Wenn Sie unsicher sind, ob das geht, arbeiten Sie sich voran. Ein große Hilfe sind dabei die von Roberto Casavecchia erstellten Fotobuch- und Albenvorlagen, die es im FineArtPrinter-Shop gibt. Die Vorlagen sind als Graustufendatei angelegt, damit für den Download nicht zu viele Megabytes zusammenkommen. Wandeln Sie die gewünschte Datei je nach Workflow in sRGB oder Adobe RGB um und duplizieren Sie die Mustervorlage für Ihr Projekt.

Eigene Karten drucken
Man könnte auch mal eigene Karten drucken. Zumindest für die Familienangehörigen ist dies für mich eine Pflichtübung und auch Kollegen und Freunde freuen sich sehr, wenn statt der Glückwunschkarte aus dem Fundus eine individuell gestaltete Karte die Gratulation dokumentiert. Die einfachste und vermutlich wirkungsvollste Variante ist ein besonderes Papier in einem besonderen Format. Doch Vorsicht beim Format: Wer eine kleine Auflage für Freunde und Bekannte per Post in die Runde senden möchte, sollte die Größenbegrenzungen der Deutschen/Österreichischen oder Schweizer Post vorher erfragen. Der Grund: Amerikanische Grußkarten, die man mit Briefkuvert zum Selberdrucken auch hierzulande über das Web bestellen kann, sind nicht immer mit den Abmessungsvorgaben der Post kompatibel. Was jedoch perfekt ist, sind Karten im Format 15 x 21 cm, also A5. Ich nutze sehr gern die Karten von Photolux im Format 15 x 21 cm mit abgerundeten Ecken. Photolux bietet dieses Kartenformat unter anderem in Hahnemühle Photo Rag Metallic an. Hat man auf diesem Material ein gelungenes High-Key-Motiv gedruckt, ist hinten noch ausreichend Fläche für eine persönliche Widmung vorhanden, und fertig ist die eindrucksvolle Grußkarte. Wer mit den Postkartenformaten auf Kriegsfuß steht, der kann sich auch einen Ecenschneider zulegen und seine auf Blattware gedruckten Karten auf Format, beispielsweise 14,8 x 21 cm schneiden und mit dem Eckenschneider die Kanten abrunden. Professionelle Eckenschneider gibt es ab 120 €.
Ein Fotobuch mit persönlichen Motiven gestalten

Das eigene Fotobuch, ob selbst gedruckt oder etwas umfangreicher vom Druckdienstleister produziert, erfordert sehr großen Zeitaufwand. Selbstverständlich bieten die verschiedenen Hersteller eine Reihe von Stilvorlagen und auch Assistenten an, die die Bilder chronologisch in das Layout einordnen. Diese Standards genügen allerdings nicht immer den Anforderungen des Einzelnen.
Wir von FineArtPrinter empfehlen aufgrund des großen Farbraumes den Sechs-Farben-Druck, mit dem Canon-HD-Bücher produziert werden. Bei einem solchen Buch ist Blau eben intensiver, Schwarz tiefer und Rot satter als bei anderen Verfahren. Im direkten Vergleich sieht man sehr wohl, wo es Unterschiede gibt. Aus diesem Grund haben wir in der Vergangenheit auch den HD-Fotobuch-Wettbewerb mit diesem verfahren und fotobook.de als Partner durchgeführt. Dabei wurden drei der Buchentwürfe dann auf Kosten von Fotobook.de für den Bildautor realisiert. 2021 schreib uns dazu Wilhelm Kleinöder, der sein Buch sowohl im Digitaldruck als auch im Offsetdruck und letztlich als einer der Gewinner im Sechs-Farben-Inkjet-Druck vor sich hatte: „Ich kenne meine kritischen Schwarzweißvorlagen vom Großformat und diese werden mit perfekter Abstufung in den Grautönen im Canon-HD-Fotobuch wiedergegeben. Ebenso haben die Farbbilder eine Sättigung, die in den beiden anderen Büchern/Druckversionen fehlt. Ich denke, besser geht es nicht. Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Bindung. Insbesondere beim Umblättern der Seiten, wenn die Bücher nebeneinander liegen, wird es offensichtlich, was die Layflat-Bindung bewirkt. Die aufgeblätterten Seiten liegen beinahe glatt, während sich die Buchseiten der beiden anderen Druckerzeugnisse nach oben wölben. Speziell bei den Bildern über zwei Seiten sieht man die Perfektion, die diese Art der Bindung bei den Canon-HD-Büchern bewirkt.“
Mit selbst beschichtetem Papier experimentieren

Papier selbst beschichten mag man oder mag man nicht. Wenn man zu den Liebhabern des Selbstbeschichtens gehört, scheut man diesen Mehraufwand ebenso wenig wie derjenige, der seine analoge Kamera noch nutzt, Filme belichtet und die Negative scannt, um von der analogen Ausgangsdatei aus zu arbeiten. Rational betrachtet ist das Selbstbeschichten von Papier nur unter dem Aspekt der Erweiterung der kreativen Möglichkeiten sinnvoll. Allerdings muss man bei diesen zusätzlichen Möglichkeiten auch das Lösen von Problemen einkalkulieren, die man vorher nicht kannte. Mit der manuellen Beschichtung von besonderen oder auch alltäglichen Papieren ist es jedoch leider nicht getan. Erfahrungsgemäß liegt das beschichtete Medium nach dem Trocknen keineswegs plan, sondern es wird erst durch geduldiges Bügeln wieder in Form gebracht. Selbst wenn dann die Planlage wieder erreicht ist, bleibt es fraglich, ob der Drucker das häufig nicht exakt im rechten Winkel geschnittene oder geformte Papier so akzeptiert, ob eventuell Höhenschläge das Papier am Druckkopf entlang schmieren und ob das Druckergebnis überhaupt den Erwartungen standhalten wird. Aber vielleicht ist es speziell dieses Agieren mit mehreren, letztlich unkalkulierbaren Faktoren, die den Druck auf selbst beschichtetem Papier so spannend machen. Vom Zeitungspapier über das Packpapier bis hin zum handgeschöpften Büttenpapier kann man letztlich alles mit einer Tintenempfangsschicht beschichten. Die Kunst des gleichmäßigen Auftrags ist dabei eine Herausforderung, die man auch bewusst ins Gegenteil transferieren kann, da die manuelle Beschichtung, im Unterschied zur maschinellen, sehr wohl Unregelmäßigkeiten aufweisen darf.
Das braucht man zum Beschichten: Neben der Vorstellung, welches Papier mit einer speziellen Inkjet-Emulsion beschichtet werden soll, ist es empfehlenswert, verschiedene Papiere bereitzulegen. Dazu eine Arbeitsunterlage, die mit Nässe fertig wird, und für eine gleichmäßige Beschichtung entweder eine Rakel oder einen kleinen Schwamm, mit dem man die milchige Mineralienlösung auf dem Papier verteilt.
Anbieter: Ilford, Creative Emulsion.
Drucke mit gerissener Kante präsentieren

„Deckle Edge“ oder gerissene Kante macht ein Bild bei guter Ausführung besonders interessant. Ursprünglich war die gerissene Kante ein Ergebnis handwerklicher Papierproduktion, bei dem ein Wasserstrahl den Faserbrei vor dem Trocknen auf dem Filztuch trennte. Da diese manuell hergestellten Bögen sich nur manuell mit einer Tintenempfangsschicht veredeln lassen (siehe oben), kam man vor einigen Jahren auf die Idee, maschinell beschichtete Fine-Art-Papiere mittels einer speziellen Technik zu reißen. Idealerweise wird dazu der Bereich des Papiers, der gerissen werden soll, befeuchtet. Dann legt man ein ausreichend langes Lineal auf die zu reißende Kante, fasst beherzt an und trennt den Papierstreifen ab. Wenn man einige Fehldrucke aus den vergangenen Monaten aufgehoben hat, lässt sich mit diesen Drucken wunderbar üben. Erstaunlicherweise lassen sich faserbasierende Papiere sowohl mit glänzender als auch mit matter Oberfläche hervorragend reißen. Allerdings macht es einen sichtbaren Unterschied in der Qualität der gerissenen Kante, wenn man von der bedruckten Seite weg oder zur bedruckten Seite hin reißt.
So geht’s: Zeichnen Sie zunächst die Konturlinie der gewünschten Reißkante auf die Rückseite des bedruckten Prints. Legen Sie ein entsprechend langes Lineal an und reißen Sie das Papier mutig entlang des Lineals ab. Sie können auch auf Papierbögen mit gerissenen Kanten drucken. Diese gibt es beispielsweise bei Hahnemühle unter dem Namen „Deckle Edge“. Angeboten werden Photo Rag 308, William Turner und Museum Etching in den Formaten A3+ und A2. Für die Präsentation sind Schattenfugen- oder Objektrahmen sinnvoll. Je nach Tiefe des Rahmens setzt man den Print mit der gerissenen Kante im Rahmen auf einen Distanzhalter, sodass die gerissenen Kanten wenige Millimeter über dem dunklen Untergrund stehen.